Wie künstliche Intelligenz die Immobilienbranche verändert

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„Zunächst braucht es ein stabiles Fundament, bevor Sie mit KI loslegen.“

Eine der derzeit größten Herausforderungen in der Immobilienbranche ist das Thema künstliche Intelligenz. Welche Bedeutung kann KI für die Branche haben? Auf der Provada sprach Vastgoedmarkt mit Neal Gemassmer, Vice President and GM of International bei Yardi.

Yardi entwickelt branchenführende Software für alle Arten und Größen von Immobilienunternehmen weltweit. Das Familienunternehmen beschäftigt mehr als 10.500 Fachleute, die in 40 Niederlassungen auf der ganzen Welt arbeiten. Mithilfe der Yardi-Plattform können Kunden die Verwaltung verschiedener Immobilientypen, wie Gewerbe- und Wohnimmobilien, optimieren, indem sie den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie, von der Verwaltung über die Vermietung bis hin zur Finanzierung, in einer zentralisierten Plattform zusammenführen.

Gemassmer ist davon überzeugt, dass KI sowohl das Unternehmen als auch die Branche grundlegend verändern wird. Die einzige Frage sei, wie, sagt er. „Es gibt so viele Einsatzmöglichkeiten für KI. Die Frage ist lediglich, wie diese neue Technologie sinnvoll in der Immobilienbranche genutzt werden kann. Dabei muss man unterscheiden zwischen dem internen Einsatz der KI und den Lösungen, die wir unseren Kunden zur Verfügung stellen, damit sie ihre Prozesse weiter verbessern und ihr Geschäft gezielt diversifizieren können“, erklärt er.

Lösungen für Kunden

Die Auswirkungen auf Yardi selbst werden keine Verkleinerung der Teams umfassen, betont Gemassmer. „Viele große Unternehmen in der IT-Branche bauen aufgrund von KI Stellen ab. Solche Pläne gibt es bei uns nicht. Wir konzentrieren uns auf unsere Kunden und setzen klar auf KI, weil wir davon überzeugt sind, dass wir dadurch unsere Services verbessern können. Im ersten Schritt werden wir unsere Mitarbeitenden in die Lage versetzen, KI und Entwicklungstools effektiv zu nutzen. Wenn wir Produkte schneller entwickeln und optimieren, kommt das direkt unseren Kunden zugute. Den größten Einfluss durch KI sehen wir derzeit in unserem Softwareentwicklungsteam. Die Geschwindigkeit, mit der die Entwickler mithilfe von Tools wie Cursor, Claude, GitHub, MCP (Model Context Protocol), Figma und anderen Prototyping-Tools arbeiten können, ist enorm. Darüber hinaus prüfen wir, wie wir KI in unsere Kernplattform einbinden können, um bestehende Funktionen zu verbessern sowie die Integration mit Sprachmodellen und KI-Anbietern wie Anthropic, Google Gemini, Microsoft Copilot oder OpenAI zu ermöglichen, damit unsere Kunden jede beliebige KI-Engine innerhalb der Yardi-Plattform verwenden können.“

Laut Gemassmer bietet der Einsatz von KI besonders interessante Möglichkeiten für die Immobilienbranche, da dort eine große Menge fragmentierter Daten aus verschiedenen Quellen verarbeitet werden müssen. Ohne eine solide Grundlage ergibt der Einsatz von KI seiner Meinung nach jedoch wenig Sinn. „KI lebt von Daten – weder erzeugt sie Daten, noch bereinigt sie diese automatisch. KI ist ein Werkzeug; sie hilft Unternehmen, ihre Produktivität zu steigern und Geschäftsprozesse zu automatisieren. Wenn Daten jedoch über mehrere Plattformen verstreut sind, ist es schwierig, eine einheitliche Datenstruktur zu schaffen. Unsere Vision lautet: Am Anfang steht ein solides Fundament. Genau wie bei einem Gebäude braucht es zunächst ein stabiles Fundament, bevor mit dem Bau begonnen wird.“

Daten, Terminologie und eine solide Datengrundlage

Konkret bedeutet das, dass Unternehmen eine gut strukturierte Datenbank anstreben sollten, die alle Informationen bündelt. Gemassmer: „Je nach Plattform kann die Definition von ‚Objekt‘, ‚Einheit‘ oder ‚Mieter‘ völlig unterschiedlich sein. Wie führt man diese Daten zusammen? Und wie soll eine KI diese unterschiedlichen Datendefinitionen interpretieren können? Mit einer soliden Grundlage, also guter Data Governance in Bezug auf Terminologie und Technologie, die auf die verschiedenen Teilbereiche der Immobilienbranche abgestimmt ist, lässt sich KI produktiver einsetzen.“

Gemassmer verweist auf Statistiken, wonach 95 Prozent der KI-Projekte scheitern. „Ich denke, das liegt daran, dass Menschen Sachen ausprobieren, ohne eine klare Zieldefinition zu haben. Viele Pilotprojekte hatten kein klar definiertes Ziel oder die Datengrundlage war nicht in Ordnung. Dadurch war es schwierig, Ergebnisse zu messen und sie reproduzierbar zu machen. Bain Consulting hat dies untersucht und festgestellt, dass die meisten Misserfolge auf inkonsistente Datensätze zurückzuführen sind, was uns wiederum zur Grundlage zurückführt.“

Viele Unternehmen haben hier Schwierigkeiten. „Das durchschnittliche Unternehmen verwendet 20 bis 40 verschiedene IT-Plattformen. Wenn jede davon unterschiedliche Definitionen und Datenstrukturen hat, ist es schwierig, eine einheitliche KI-Strategie zu verfolgen. Die Immobilienbranche ist zudem ein ganz eigenes Feld: Manchmal machen wir es uns mit unterschiedlichen Messstandards, KPIs und Definitionen selbst schwer. Die Branche muss sich intern damit befassen, wie wir uns durch mehr Standardisierung selbst helfen können. Mit KI lassen sich Ideen zudem schneller testen. Wir sollten jedoch nicht allzu optimistisch werden und denken, dass KI all unsere Probleme lösen wird.“

Herausforderungen mit KI meistern

Aus diesem Grund ist es auch wichtig, nicht jedem neuen KI-Feature hinterherzujagen und stattdessen KI bewusst nur einzusetzen, um auf einer soliden Grundlage einen Mehrwert zu schaffen. „In den vergangenen vier Jahren haben wir daran gearbeitet, herauszufinden, welche Prozesse und Aktivitäten in der Immobilienbranche für viel Reibung sorgen, wie beispielsweise eine schwierige Kommunikation mit einem Bewerber, Mieter, Lieferanten oder Investor, und diese Prozesse zu digitalisieren. Dabei ist es wesentlich, zunächst zu klären, welches Problem gelöst werden soll. Vor zehn Jahren war Blockchain das große Thema dieser Konferenz. Allerdings blieb Blockchain eine Technologie auf der Suche nach einem Problem. Abgesehen von Kryptowährungen hat sie sich nie wirklich durchgesetzt. Bei KI wird das anders aussehen. KI löst ein Problem jedoch nur dann, wenn man das Problem definieren und es dann mit einem Geschäftsprozess in Verbindung bringen kann.“

Ist das Problem einmal klar, kann die Anwendung von KI einen unmittelbaren Mehrwert schaffen. Gemassmer veranschaulicht dies anhand eines Beispiels aus dem Immobilienmarkt. „Die meisten Menschen suchen außerhalb der üblichen Arbeitszeiten nach einem Haus oder einer Wohnung. Das Ziel ist, diesen Prozess für den Kunden individuell zu gestalten, damit er nicht einfach nur seinen Namen bei einer Immobilienplattform hinterlässt und dann vier Tage lang warten muss, bis er zurückgerufen wird. Heute können wir das sofort personalisieren: Bevor das Vermietungsteam am nächsten Morgen oder am Montagmorgen eintrifft, ist bereits ein Besichtigungstermin vereinbart, der Mietvertrag möglicherweise bereits unterzeichnet, die Zahlung getätigt und eine Bonitätsprüfung durchgeführt worden. Das ist die bislang bedeutendste KI-Anwendung mit direktem Nutzen für den Kunden“, erklärt er.

Unterstützung durch Chatbots

Die nächste Phase, in der KI helfen kann, ist die Optimierung interner Geschäftsprozesse. Gemassmer: „Sie kann beispielsweise Mietverträge automatisch zusammenfassen oder den monatlichen Finanzabschluss beschleunigen. Wenn man diese Prozesse automatisiert und dabei weiterhin auf menschliche Überprüfung setzt, kann ein KI-Agent einen erheblichen Einfluss haben.

Aus der Verbraucherperspektive ist auch festzustellen, dass Menschen heute eher bereit sind, sich von einem Chatbot helfen zu lassen. Sie wissen, dass KI viel intelligenter ist als noch vor einigen Jahren. In der Vergangenheit waren Chatbots Machine-Learning-Systeme, die vorprogrammierte Antworten auf spezifische Fragen – sogenannte Intents – lieferten. Eine KI hebt dies auf eine neue Ebene: Sie kann auf jede einzelne Frage viel persönlicher reagieren. Wenn eine Person nach einer Wohnung sucht und erwähnt, dass sie einen Golden Retriever namens Pixie besitzt, kann der Bot diese Information berücksichtigen und danach fragen, wie viel der Hund wiegt, und von dort mit den Bewerbungsprozess fortfahren.“

Datenschutz und die DSGVO spielen in diesem Kontext eine zentrale Rolle. Gemassmer: „Europa ist in Sachen Datenschutzrecht ein Wegbereiter. Ich sehe hier zwei Aspekte: den Datenschutz und das Risiko von Fehlinformationen durch KI-Modelle – sogenannte Halluzinationen, bei denen eine KI-Engine falsche Antworten gibt oder Informationen erfindet. Die Verantwortung liegt bei Technologieunternehmen wie Yardi, bei den Kunden, die die Plattformen nutzen, und bei den KI-Modellen selbst. Unser Ansatz: Die Originalquelle verbleibt in einer geschützten Umgebung. Mit dem richtigen Unternehmensmodell werden diese Informationen nicht an die breitere KI-Umgebung weitergegeben, und es entstehen keine neuen Informationen. Darüber hinaus bestehen weiterhin Risiken wie Datenpannen, fehlerhafte Informationen oder beleidigende Ausgaben, aber wir lernen kontinuierlich dazu. Alles, was wir heute wissen, wird in einem Jahr ganz anders aussehen.“

Das menschliche Element 

KI ersetzt keine Menschen, und bei ihrem Einsatz geht es nicht einfach darum, dass Menschen noch mehr Arbeit erledigen. Laut Gemassmer muss KI immer eine Ergänzung sein. „Spotify hatte vor einigen Jahren einen Personalabbau um 50 Prozent aufgrund von KI angekündigt. Sechs Monate später stellte das Unternehmen fast alle Mitarbeitenden wieder ein, da es nicht auf das Servicemodell und den menschlichen Faktor verzichten konnte. Ich rechne aber mit einer anderen Art von Effekt. Vor sieben Jahren gab es in den meisten Unternehmen keine umfassenden Richtlinien zum mobilen Arbeiten. Heute sind es nur sehr wenige Organisationen, die von ihren Mitarbeitenden erwarten, dass sie fünf Tage die Woche ins Büro kommen. Die Rolle des Büros befindet sich bereits im Wandel. Es wird interessant sein zu sehen, wie die KI dies weiter beeinflussen wird.“

KI bietet Chancen, es braucht aber weiterhin die persönliche Ebene. „Sie können Copilot oder Claude damit beauftragen, Ihren Kalender für die nächsten zwei Wochen zu organisieren, oder einen Agenten auf E-Mails antworten lassen. Aber möchten Sie, dass ein Agent all diese Dinge erledigt, oder möchten Sie den persönlichen Aspekt bewahren? Es geht um ‚Learning by Doing‘. Das Einzige, was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass wenn wir in zwölf Monaten wieder hier sitzen, wir ein ganz anderes Gespräch führen werden. Kein schlechteres, aber wir werden viel dazugelernt haben.“


KI ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie basiert. Yardi vereint Ihr Portfolio, Ihre Objekte und Ihre Teams in einer einzigen, zuverlässigen Informationsquelle. So kann KI endlich auch im Bereich der Gewerbeimmobilien zum Einsatz kommen.

Eine Plattform. Eine Datenquelle. Fundiertere Entscheidungen.